Recherche Brennwertheizung

Wenn Erdgas verbrennt, entsteht Wasser — chemisch unvermeidbar. Brennwertkessel kühlen das Abgas so weit ab, dass der Wasserdampf kondensiert und durch einen Ablauf abgeführt wird. Die Frage ist: wie viel ist das tatsächlich, übers Jahr und am Tag?

1. Worum geht's?

Bei einer modernen Gas-Brennwertheizung tropft kontinuierlich Wasser aus der Heizung — das sogenannte Kondensat[1]. Das ist kein Defekt, sondern Teil des Funktionsprinzips: Brennwertkessel gewinnen zusätzliche Energie, indem sie den Wasserdampf im Abgas absichtlich auskondensieren lassen[1][2].

Damit das Wasser zuverlässig in der Kanalisation landet und nicht in die Raumluft oder ins Mauerwerk gelangt, sieht die Norm einen geschlossenen Kondensatablauf vor — die Mengen, um die es dabei geht, zeigt diese Seite ganz konkret.

2. Wie verbrennt Erdgas?

Erdgas in Deutschland kommt in zwei Qualitäten — H-Gas (heute Standard) und L-Gas (Restbestände aus den Niederlanden und Norddeutschland)[3]. L-Gas wird bis spätestens 2030 vollständig auf H-Gas umgestellt[3].

EigenschaftH-GasL-Gas
Methan-Anteil (Vol.)87 – 99 % (~ 98 %)79 – 87 % (~ 85 %)
höhere Alkane (Ethan, Propan, …)~ 1 %~ 4 %
Inertgase (N₂, CO₂)~ 1 %~ 11 %
Brennwert Hs≈ 11,1 kWh/m³≈ 8,2 kWh/m³
Heizwert Hi≈ 10,0 kWh/m³≈ 7,4 kWh/m³
Dichte≈ 0,70 kg/m³≈ 0,84 kg/m³

Mit weniger als 1 % Fehler darf man bei Verbrennungsrechnungen H-Gas als reines Methan behandeln (zum Vergleich: reines Methan hat einen Brennwert von 11,07 kWh/m³)[4].

Methan verbrennt nach folgender Gleichung (Reaktionsenthalpie ΔH = −890 kJ/mol, oberer Heizwert)[4]:

CH₄  +  2 O₂  →  CO₂  +  2 H₂O    (ΔH = −890 kJ/mol)

Pro Molekül Methan entsteht 1 Molekül CO₂ und 2 Moleküle Wasser. Aus den folgenden Konstanten[4] lassen sich die Mengen direkt herleiten:

Molare Masse Methan (CH₄)16,04 g/mol
Molare Masse Kohlendioxid (CO₂)44,01 g/mol
Molare Masse Wasser (H₂O)18,02 g/mol
Molares Volumen bei Norm (0 °C, 1013 hPa)22,414 L/mol
Brennwert H-Gas (Rechnungsgröße der Gasrechnung)11,1 kWh/m³[2][3]

Damit ergibt sich:

Pro 1 kg Methan2,74 kg CO₂   +   2,25 kg Wasser
Pro 1 m³ Erdgas (H-Gas)1,97 kg CO₂   +   1,61 L Wasser
Pro 1 kWh (Brennwert Hs)≈ 0,20 kg CO₂[5]   +   0,145 L Wasser[6]

Auf der Gasrechnung steht der Verbrauch in kWh (Brennwert)[2]. Diese 0,145 L Wasser pro kWh sind das theoretische Maximum — die Menge, die unweigerlich entsteht[6]. Was davon zurückgewonnen und was an die Umgebung abgegeben wird, hängt vom Kesseltyp ab.

3. Brennwertkessel kurz erklärt

Der Wasserdampf-Taupunkt im Erdgasabgas liegt bei rund 57 °C[1]. Wird das Abgas darunter gekühlt, kondensiert Wasser und gibt dabei seine Verdampfungsenthalpie ab — bei Erdgas rund 11 % zusätzliche Energie[1][7]. Genau diese Differenz zwischen Heizwert (Hi) und Brennwert (Hs) macht das „Brennwert"-Verfahren aus[7].

Wieviel Wasser tatsächlich kondensiert, hängt von der Heizungs-Rücklauftemperatur ab — Wikipedia gibt für eine Erdgas-Anlage folgende Faustwerte an[1]:

RücklaufAbgasKondensation
20 °C40 °C~ 80 %
35 °C55 °C~ 50 %
50 °C75 °C~ 5 %
60 °C85 °C0 %

Eine gut eingestellte Niedertemperatur-Anlage (etwa mit Fußbodenheizung) erreicht Kondensationsraten von 70–80 %[1][6]. Eine alte Anlage mit hohem Heizkurven-Niveau kondensiert kaum — das Wasser geht dann fast vollständig durch den Schornstein.

4. Konkret: Junkers Suprapur KBRC 30-1

Aus der Bosch-Planungsunterlage Suprapur KBRC, Doku-Nr. 6 720 818 415 (Ausgabe 2017/02), Tabelle 4 für den KBRC 30-1/9[8]:

Nennwärmebelastung5,7 … 28,3 kW
Wirkungsgrad bei 50/30 °C105,5 %
Normnutzungsgrad bei 40/30 °C109,2 %
Kondensatmenge bei G20, 40/30 °C3,60 L/h bei Volllast
Abgastemperatur bei 50/30 °C, Volllast45 °C
CO₂-Anteil im Abgas (Erdgas E/LL)9,1 %
Saisonale Effizienz ηs93 %, Klasse A

Aus diesen Datenblattwerten lässt sich die Kennzahl errechnen:

3,60 L/h ÷ 28,3 kW ≈ 0,127 L Kondensat pro kWh Brennstoffeinsatz (bei optimaler Niedertemperatur-Fahrweise mit 40/30 °C).

Der theoretische Wert war 0,145 L/kWh[6] — die KBRC 30-1 fängt also rund 88 % des produzierten Wassers im Kondensatablauf ab, der Rest entweicht als Wasserdampf durch den Kamin.

5. Hochrechnung auf Jahr / Tag / Stunde / Minute

Der Rechner nimmt einen Jahresgasverbrauch (in kWh oder m³) und einen Heizungstyp und liefert sofort die Wassermenge gesamt, im Kondensatablauf und durch den Kamin — heruntergebrochen auf alle gängigen Zeitfenster.

Beispiel: Ein Mehrfamilienhaus mit 25 000 kWh Gas/Jahr und einer KBRC 30-1 mit Datenblatt-Kennzahl produziert ≈ 3 175 Liter Kondensat im Jahr. Im Schnitt sind das knapp 9 Liter pro Tag — an Wintertagen entsprechend mehr, im Sommer (nur Warmwasser) weniger. Über einen sauber geführten Kondensatablauf wandert dieses Wasser direkt in die Kanalisation, ohne die Raumluft zu belasten.

6. Quellen

  1. Wikipedia — Brennwertkessel (Funktionsprinzip, Taupunkt im Abgas, Kondensationsgrad in Abhängigkeit von der Rücklauftemperatur).
  2. Bundesnetzagentur — Brennwert (Gas) (Definition Brennwert/Heizwert, Abrechnungsgröße auf der Gasrechnung).
  3. Wikipedia — Erdgas (Zusammensetzung H-Gas vs. L-Gas, Brennwerte, geplante L-Gas-Umstellung).
  4. Wikipedia — Methan (Verbrennungsgleichung, Reaktionsenthalpie, Molmassen) und Energie-Lexikon — Methan.
  5. Umweltbundesamt — CO₂-Emissionsfaktoren für fossile Brennstoffe (Climate Change 28/2022) (offizielle CO₂-Faktoren; Erdgas ≈ 0,201 kg CO₂/kWhHi).
  6. energytools.de — Kondensat im Brennwertkessel (theoretische Wassermenge ≈ 1,5 L/m³ Erdgas, technisch erreichbar 50–70 %).
  7. Wikipedia — Heizwert (Verhältnis Heizwert/Brennwert, ~11 % zusätzliche Energie bei Erdgas).
  8. Junkers/Bosch Thermotechnik — Suprapur KBRC, Planungsunterlage, Doku-Nr. 6 720 818 415 (Ausgabe 2017/02), Tabelle 4 „Technische Daten KBRC 30-1/9" (Spiegel).